Der Umstieg auf E-Mobilität in Deutschland ermöglicht den zusätzlichen Zubau von 63 GW an Solar – und Windkapazitäten, sowie eine Emissionsreduzierung im Privatverkehrssektor und der Stromerzeugung um 70 Prozent.

Die zukünftige Entwicklung der E-Mobilität ist ein entscheidender Faktor für die europäischen und nationalen Ziele zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen. So wird unter anderem im Beschluss des Bundeskabinetts von einer kompletten Dekarbonisierung des Verkehrssektors bis zum Jahr 2050 gesprochen.

Der Umstieg von Verbrennungsmotoren hin zu Elektromotoren bringt, durch die damit verbundene Sektorkopplung, eine starke Steigerung der Stromnachfrage mit sich. Abbildung 1 zeigt die durch die E-Mobilität zusätzlich entstehende Stromnachfrage in den EU28 Staaten in Terawattstunden für das Jahr 2050 bei einem dekarbonisierten Privatverkehrssektor (100 Prozent Elektroautos).

Abbildung 1: Wachstum der Stromnachfrage durch den Umstieg von Verbrennungsmotoren auf die E-Mobilität im Privatpersonenverkehr

Allein für Deutschland würde der gestiegene Stromverbrauch von nun etwa 600 TWh auf 725 TWh in 2050 ein Wachstum von über 20 Prozent bedeuten. Im Energiekonzept hat die Bundesregierung allerdings eine Reduktion des Bruttostromverbrauchs von 25 Prozent bis 2050 angedacht. Die durch die E-Mobilität hervorgerufene Stromnachfrage, verringert im Gegenzug natürlich auch den Verbrauch von Kraftstoffen in wenig effizienten Verbrennungsmotoren und könnte dem Ziel der Minderung des Primärenergieverbrauchs zugutekommen.

Damit sich allerdings die Emissionen des Verkehrssektors nicht auf den Stromsektor verlagern – und die zusätzlich benötigte Nachfrage nach Energie durch fossile Kraftwerke gedeckt wird – gilt es die Kapazitäten für Wind- und Solarenergie stärker auszubauen.

Die Untersuchung zeigt, dass ein System mit einem Anteil der E-Mobilität im Privatpersonenverkehr von 100 Prozent, bis zu 63 GW (in Summe) mehr Ausbau an Wind- und Solar- Kapazitäten in Deutschland ermöglicht (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Zubau für Wind (oben) und Solar (unten) in Deutschland im Vergleich der Szenarien. Die Ergebnisse beziehen sich auf die Szenarien „Standard“ und „E-Mobility“ des Energy Brainreports 2017

Derzeit sind in Deutschland etwa 41 GW an PV-Leistung und 50 GW an Windleistung installiert. Aus Abbildung 2 ist ebenfalls ersichtlich, dass der Ausbau dieser Technologien stark zunehmen muss, um sowohl die erhöhte Nachfrage aus der Elektromobilität decken zu können und die Energie- und Klimaziele zu erreichen. Für die Photovoltaik würde dies mit 100 GW in 2050 der 2,5-fachen derzeit installierten Leitung entsprechen. Die Kapazität für Windenergie müsste sich bis 2050 dann auf 190 GW fast vervierfachen. Die derzeitigen Ausbaupläne für erneuerbare Energien sehen diese Zuwächse nicht vor.

Auf Grund des Merit-Order-Effekts der fluktuierenden erneuerbaren Energien (fEE) Solar und Wind, haben diese einen preissenkenden Einfluss auf die Strompreise. Angesichts des verstärkten Ausbaus der fEE im Szenario „E-Mobility“ wäre ein deutlicher Preiseinfluss zu erwarten. Die Untersuchungen des „Energy Brainreports 2017“ zeigen jedoch, dass lediglich marginale Abweichungen der Strompreise zwischen den Szenarien zu erkennen sind. Die Volatilität der Strompreise nimmt durch den erhöhten Anteil an fEE jedoch leicht zu.

Die Betrachtung der Emissionen zeigt, dass durch die Sektorkopplung von Privatverkehr und Strom die Emissionen deutlich sinken, vorausgesetzt es erfolgt ein verstärkter Ausbau der fEE. Die CO2-Emissionen des Privatverkehrssektors und der Stromerzeugung können so in Summe um rund 70 Prozent gegenüber dem Jahr 2015 reduziert werden. Im Standard-Szenario beträgt die Reduzierung nur rund 40 Prozent.  

Dieser Artikel basiert auf dem aktuellen Energy Brainreport 2017, welcher die vollständige Analyse enthält.