Bereits zum sechsten Mal hat Energy Brainpool das Symposium „Strommarkt der Zukunft“ veranstaltet. Bei der zweitägigen Konferenz vom 21. bis 22. März 2017 diskutierten Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik aktuelle Themen der deutschen und europäischen Energiebranche. Im Fokus stand die Frage, wie der Strommarkt weiterentwickelt werden kann. Im Detail wurden zukünftige Regulierungsmechanismen, Energiespeicher, die Zukunft des Kurzfristhandels, mögliche Preistreiber in globalen Commodity-Märkten sowie Chancen und Risiken von Big Data, Blockchain und Digitalisierung erörtert.

Der erste Tag der hochkarätig besetzten Veranstaltung zielte auf verschiedene Aspekte des Strommarktdesigns ab. Eike Dehning von dhng Consulting lenkte den Blick auf die Megatrends in Ökologie, Gesellschaft, Technologie, Politik und Energie und bezeichnete den Strommarkt als den Maschinenraum der Gesellschaft. Dr. Peter Menck vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) veranschaulichte, was nach dem Strommarktgesetz kommt und welchen Einfluss das Gesetz auf das Strommarktdesign hat. Die Ansätze im Strommarktgesetz zielen auf freie Preisbildung und den Wettbewerb zwischen allen Erzeugern sowie Flexibilitätsoptionen und berücksichtigen dabei die europäische Perspektive hinsichtlich der Versorgungssicherheit. Eine Zusammenfassung des EU-Winterpakets war auch für viele Teilnehmer eine große Bereicherung. Menck verwies darauf, dass das Ministerium im Sommer 2018 einen Monitoringbericht zum Strommarkt und zur Versorgungssicherheit veröffentlichen wird. Bis dahin werde überprüft, wie die Stellschrauben zur Versorgungssicherheit sich bewährt haben.

„Es geht in die richtige Richtung“, so Volker Stehmann, Head of Markets & Renewables bei Innogy, über das kürzlich verabschiedete EU-Winterpaket. Er hätte sich gewünscht, dass das Strom-Paket zusammen mit dem Gas-Paket, welches im kommenden Jahr veröffentlicht werden soll, gemeinsam erarbeitet worden wäre. Dann hätte man die wichtige Sektorkopplung besser integrieren können.

Im nächsten großen Programmpunkt ging es um Energiespeicher als Flexibilitätsoption. Wie kann die Tankstelle der Zukunft aussehen? Mit dieser und anderen Fragen beschäftigte sich Dr. Kathrin Goldammer vom Reiner Lemoine Institut. Sie kam zur Schlussfolgerung, dass der Verkehrssektor eine enorme Flexibilitätsoption darstellt, allerdings nur wenn eine entsprechende Ladeinfrastruktur parallel dazu aufgebaut wird.

Im weiteren Verlauf der Konferenz berichtete Dr. Hans Wolf von Koeller von der STEAG über seine Erfahrungen in Bezug auf den Einsatz und die Wirtschaftlichkeit von Großbatteriespeichern. Batteriesysteme sind ein elementarer Bestandteil der Energiewende, da sie insbesondere für Netz- und Systemstabilität sorgen können. Dr. Christian Riessen von der Deutschen Kreditbank AG (DKB) erörterte das Thema Energiespeicher aus der Sicht einer Bank. Er ließ erkennen, dass die Marktnachfrage nach Finanzierungsoptionen sehr stark gestiegen sei. Dies stellt Banken in Bezug auf Technik, sowie Markt- und Preisprognosen vor neue Herausforderungen.

Experten von Likron, MKonline und Next Kraftwerke schlossen den ersten Tag mit ihren Ausführungen zur Zukunft des Kurzfristhandels ab. Dr. Henryk Pinnow von Likron fasste in seinem Vortrag über Tradingroboter zusammen, dass sich die Aufgaben des Händlers vom aktiven Handel verschieben werden hin zur Überwachung, Performanceanalyse sowie der Weiterentwicklung von Strategien und Systemen. Tradingroboter werden die humanen Trader nicht obsolet machen. Vielmehr werden beide – Händler und Systeme – wohl zukünftig „Kollegen“ werden.

Dr. Blazej Radomski (MKonline) präsentierte aktuelle Trends im Intradayhandel. Seine umfängliche Datenanalyse zeigte eindrucksvoll, welche fundamentalen Faktoren den Intradaymarkt und dessen Preise beeinflussen. Amani Joas (Next Kraftwerke) vollendete den Block mit einem Erfahrungsbericht über das Bilanzkreismanagement, speziell die aktive Kurzfristoptimierung und ihre Herausforderungen. Er zeigte auch, dass interne Flexibilitäten eine wichtige Ergänzung zum Intradayhandel darstellen.

Der zweite Tag des Symposiums Energiehandel 2022 war vor allem geprägt durch die Diskussion um Commodity-Märkte 2030 und was die zukünftigen Preise treiben wird. Angela Pietroni von Energy Brainpool kam zu dem Schluss, dass eine Dekarbonisierung des Verkehrs durch Elektrifizierung einen stärkeren Ausbau erneuerbarer Energien, vor allem Wind und PV, benötigt. Sie visualisierte die Preissignale für Flexibilitätsoptionen und zeigte deutlich, dass langfristige Lösungen benötigt werden.

Dr. Torsten Bischoff von Trianel beleuchtete die Frage, ob sich mit Gaskraftwerken noch Geld verdienen lässt. Es steht dramatisch um die Situation der deutschen Gaskraftwerke: Die Herausforderungen sind hoch, denn sie müssen ihre Deckungsbeiträge in immer weniger Betriebsstunden erwirtschaften und laufen oft nur im Minimalbetrieb. Er sieht weiterhin hocheffiziente Gaskraftwerke als Bestandteil der Energiewende, eine regulatorische Anpassung des CO2-Marktes ist dafür allerdings unerlässlich.

Mit Jana Ohlendorf blickten die Teilnehmer über den europäischen Tellerrand hinaus nach China. Sie stellte beeindruckend die neue Energiepolitik des asiatischen Riesen komprimiert und ausführlich vor – kein leichtes Unterfangen in nur 45 Minuten bei der Komplexität des Themas.

Die schöne neue Welt rund um Big Data, Blockchain und Digitalisierung war zentraler Punkt im letzten Block. Im Zentrum des Vortrags von Prof. Dr. Jens Strücker von INEWI stand die spannende Frage: „Transaktionskosten beim Handel von Kleinstmengen – Hilft da die Blockchain?“. Danach zeigte Thomas Koller von enersis europe nicht nur, vor welchen Herausforderungen man bei dem Thema Big Data steht, sondern viel mehr welche Anwendungsmöglichkeiten und Chancen es gibt, wenn man viele Daten richtig sammeln und vor allem verarbeiten kann. In der Energiebrache sind erst wenige Potentiale wirklich erkannt. Den Schlusspunkt setzte Dr. Merz von Ponton mit seinem Vortrag über erste Praxisanwendungen mit der Blockchain. Das Thema war für einige Teilnehmer ganz neu und hat einmal mehr gezeigt, was die Blockchain ist, was sie kann und wo ihre derzeitigen Grenzen liegen.

Das 6. Symposium war seitens der Teilnehmer, Referenten und Veranstalter ein voller Erfolg. Wichtige Akteure der Energiebranche tauschten sich intensiv und angeregt vor dem Hintergrund der Energiewende, dem Umgang mit den sich verändernden Marktbedingungen, neuen Regularien und der langfristigen Sicherung von Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit des Energiemarktes aus.