Mehr Emissionsrechte sollen in Europa aus dem Markt genommen werden, um höhere CO2-Preise zu erlauben. China öffnet nationalen Emissionsmarkt in 2017 und schafft somit den größten CO2-Markt der Welt.

Power-poles

Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments verschärft die Vorschläge der EU-Kommission zur Reform des Emissionshandelssystems der EU (ETS). Da sich derzeit zu viele CO2-Zertifikate im Umlauf befinden, liegen die CO2-Preise bei nur etwa 5 €/Tonne. In Anbetracht der Ziele des Pariser Klimaabkommens muss sehr viel mehr CO2 eingespart werden. Bei den jetzigen niedrigen Preisen für CO2 gibt es allerdings wenig wirtschaftlichen Anreiz den Ausstoß von CO2 bei der Energieerzeugung oder in industriellen Prozessen zu vermindern. Abbildung 1 zeigt die Preisbewegung für CO2-Emissionszertifikate über das Jahr 2016, mit einem Preisrückgang von 8,3 €/Tonne auf unter 5 €/Tonne (Quelle: Montel, ICE).

Abbildung 1: Preisentwicklung europäischer CO2-Emissionzertifikate in 2016 (Quelle: Montel, ICE)

Im Zuge der Reform des ETS soll nun für die Periode von 2021 bis 2030 mehr CO2-Zertifikate aus dem Markt genommen werden. So sollen 0,8 bis 1 Milliarde Emissionsrechte in die sogenannte Marktstabilitätsreserve überführt werden und somit eine Verknappung und damit einhergehende Preissteigerungen erreicht werden. Die Menge der so entnommen Zertifikate entspricht ungefähr den CO2-Emissionen der Industrie für ein halbes Jahr (Quelle: Montel).

Weiterhin schlägt das EU-Parlament einen stärkeren Kürzungsfaktor von 2,4 % im Vergleich zu dem von der Kommission vorgeschlagenen 2,2 % vor. Der Kürzungsfaktor gibt die Absenkung der jährlich ausgeschütteten CO2-Zertifikate an und könnte zu einer zusätzlichen Verknappung von etwa 4 Millionen Tonnen führen. Allerdings wird aber die sich im internationalen Wettbewerb befindliche Industrie deutlich entlastet werden. Die betroffenen Industriezweige sollen 5 % mehr gratis Zertifikat erhalten. Insgesamt würden also dann 48 % und nicht mehr nur 43 % aller CO2-Zertifikate im ETS kostenlos zugeteilt werden. Nur der Rest wird noch versteigert (Quelle: Montel).

Stärker am ETS soll laut EU-Parlament aber die Schifffahrt und der Flugverkehr beteiligt werden. So sollen alle Schiffe, die europäische Häfen anlaufen am Emissionshandel teilnehmen müssen, während der innereuropäische Flugverkehr „nur“ noch 50 % anstatt der derzeitig 85 % der benötigten Zertifikate kostenfrei zugeteilt bekommt. Die restliche Hälfte soll dann ebenfalls, wie bei der Industrie versteigert werden (Quelle: Energate).

Während das ETS nunmehr schon seit einigen Jahren das umsatzstärkste CO2-Handelssystem der Welt ist (80 % des weltweiten CO2-Handels) ist, wird in China der Weg geebnet die noch regionalen CO2-Märkte zu einem nationalen Emissionshandelssystem zu verknüpfen. Der damit entstehende CO2-Markt in China würde mit 3-5 Milliarden Zertifikaten, das ETS der EU mit 2 Milliarden Zertifikaten bei weitem übertreffen. So hat die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) der Volksrepublik verkündet, dass die ersten Allokationen von CO2-Zertifikaten für das erste Halbjahr 2017 geplant sind. Bis dato werden an dem neuen Handelssystems aber nur acht Industriezweige, unter anderem die Energieerzeugung, der Flugverkehr und die Stahlindustrie, teilnehmen.

Firmen, die einen Energieverbrauch von mehr als 10000 Tonnen Kohle-Äquivalente aufweisen, müssen am CO2-Markt teilnehmen. Bisher wurden über 7000 Firmen identifiziert, die ungefähr die Hälfte der chinesischen CO2-Emissionen emittieren. Zhaoli Jiang von der Abteilung für Klimawandel bei der NDRC geht davon aus, dass sich die Preise bis 2020 auf etwa 30 Yuan pro Tonne (4 €/Tonne), also dem Durchschnitt der Preise der regionalen Pilot-Märkte einpendeln werden. Abbildung 2  zeigt die Preisentwicklung an den verschiedenen chinesischen regionalen CO2-Märkten (Quelle: Tellhow).

Abbildung 2: Entwicklung der CO2-Preise in USD pro Tonne an den regionalen CO2-Märkten in China (Quelle: Tellhow)

Gleichzeitig geht NDRC zumindest in der Anfangsphase des CO2-Handelssystems bis 2020 nicht von rückgängigen Emissionen durch das Handelssystem aus: „Unternehmen werden erst bei Preisen von 200-300 Yuan/Tonne (30-40 €/Tonne) Druck verspüren. Dies wird erst nach 2020 eintreten“. Ab 2020 werden dann ebenfalls CO2-Terminprodukte wie Futures eingeführt und der Markt etwa 60 bis 400 Milliarden Yuan (8,7 bis 58 Milliarden Euro) groß sein. Dennoch wird vor allem das Roll-out für den größten CO2-Markt der Welt ein wichtiger Schritt zur Reduktion der Emissionen in China, das bis 2030 den Peak seiner CO2-Emissionen erreichen wird.