Eine Grundsatzstudie der Denkfabrik Agora Energiewende hat sich des Abgaben- und Umlagensystems im deutschen Energiemarkt angenommen. Das Ergebnis: Unwucht der Energiepreise zugunsten klimaschädlicher Energie.

Die Studie „Neue Preismodelle für Energie“ der Agora Energiewende vom April 2017, zeigt deutlich auf, was der nächste Schritt, oder die nächste Großbaustelle für den Umbau hin zu einem klimafreundlichen Energiesystem sein muss, nämlich eine Reform der staatlichen regulierten Aufschläge, Abgaben und Umlagen auf Energiepreise.

Die Energiepreise sind ja nach Energieträger stark unterschiedlich. Während etwa die staatlichen Aufschläge, also Steuern, Abgaben, Entgelte und Umlagen auf eine Kilowattstunde beim Strom im Schnitt bei 18,7 Cent liegen uns somit für die meisten Verbraucher (Haushalte) etwa 75-80 Prozent des Preisbestandteiles ausmachen, werden andere Energieträger viel weniger stark belastet. Beim Benzin sind es nur 7,3 Cent/kWh, beim Diesel 4,7 Cent/kWh, bei Erdgas 2,2 Cent/kWh und beim Heizöl nur 0,2 Cent/kWh.

Daher ist es wenig verwunderlich, dass Strom (der durch den Ausbau von erneuerbaren Energien immer weiter dekarbonisiert und somit klimafreundlicher wird) im Vergleich zu anderen Energieträgern sehr viel teurer ist und seine Verwendung in anderen Sektoren der Energiewirtschaft, wie im Transport und der Wärme weniger verbreitet ist (Abbildung 1).

Abbildung 1: Vergleich von verschiedenen Energiepreisen 2003-2016 (Quelle: Agora Energiewende)

Laut Agora Energiewende ermöglicht die hohe implizite CO2-Belastung von Strom mit 185 EUR/t CO2, dass klimaschädliche fossile Energieträger systemisch billiger sind und dass das derzeitige System der staatlichen Aufschläge eine kosteneffiziente Energiewende verhindert. So liegt Deutschland zwar bei den Strompreisen im Spitzenfeld der EU, bei den Preisen für Gas und Heizöl allerdings im Mittelfeld oder sogar dem unteren Viertel.

Hohe starre Abgaben auf Strom verhinderten weiterhin, dass Preissignale des Großhandelsmarkts bei Verbrauchern ankommen und diese darauf reagieren. Hohe Strompreise und niedrige Preise für fossile Energieträger behindern auch die Nutzung von Lastmanagement, Elektromobilität, Power-to-X-Technologien und eine effiziente Gebäudesanierung.

Agora Energiewende sieht eine hohe Dringlichkeit bei der Reform des Netzentgelte-, Steuer-, Abgaben- und Umlagensystems, wobei vor allem eine CO2-orientierte Reform der Strom- und Energiesteuern, eine verursacher- und verteilungsgerechtere Finanzierungsbasis der Netze (stärkerer Anteil von Grund- und Leistungspreisen), sowie die Einführung einer Dynamisierung von verbliebenen Tarifkomponenten.  Agora-Direktor Patrick Graichen sagte dazu: „Wenn die Abgaben und Umlagen auf Strom, Wärme und Verkehr dauerhaft so falsch justiert bleiben, dann kann die Energiewende nicht gelingen“, und spielt den Ball somit auch an die nächste Regierung weiter.