Die deutschen Gaskraftwerke haben im August 2016 im Vergleich zum Vorjahr 98 Prozent mehr Strom erzeugt. Gründe hierfür sind vor allem gesunkene Gaspreise, während sich Kohle verteuert.

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Die Gasverstromung lag im August mit 2.31 TWh um 39% höher als noch im Juli 2016, wobei der Großteil des Anstiegs in den letzten beiden August Wochen  und somit im Gleichschritt mit gefallenen Gaspreisen stattfand. Die Stromerzeugung in Stein- und Braunkohlekraftwerke fiel um 15% im Vergleich zum August 2015. Kohle dominierte mit einer Erzeugung von 16,81 TWh aber immer noch den deutschen Energiemix.

Die Kombination schwacher Gas- und hoher Steinkohlepreise hat den Gaskraftwerken zuletzt teilweise den Betrieb rund um die Uhr ermöglicht. Dies führt dazu, dass Gaskraftwerke in der Merit-Order sogar vor Steinkohlekraftwerken stehen könnten. Abbildung 1 zeigt die Stromerzeugung aus Gaskraftwerken für die ersten acht Monate der Jahre 2015 und 2016 im Vergleich.

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Abbildung 1: Monatliche Stromerzeugung aus Gas in Deutschland im Jahresvergleich 2015 und 2016 (Datenquelle: Fraunhofer ISE, Energy Charts)

Die Gaspreise sind in diesem Jahr durch hohe Exportmengen aus Russland und aus Norwegen unter Druck geraten, und das obwohl LNG aus den USA und Australien teilweise später geliefert wurde. Dennoch ist der Spotpreis für Gas im deutschen NCG-Marktgebiet am 19. August auf sein 6-Jahres-Tief mit 10,60 EUR/MWh gefallen. Der Benchmark-Kontrakt für Kohle in Nordwesteuropa handelte dagegen an der Ice in London zuletzt bei 58,20 USD/t, etwa 10% über dem Vorjahresniveau.

Gaskraftwerke weisen eine hohe Flexibilität auf, die insbesondere in Kombination mit fluktuierenden Erneuerbaren notwendig ist. Da jedoch in den letzten Jahren die Kohleverstromung billiger war, als die aus Gas, produzierten Gaskraftwerke nur an wenigen Stunden im Jahr. Viele Gaskraftwerke rutschten dadurch in die Verlustzone. Bei weiterem Anstieg der Kohlepreise und LNG-Lieferungen aus den USA, könnte sich dieser Trend wieder umkehren. Dies würde eine Rückkehr der Gaskraftwerke an den Strommarkt bedeuten