Der Beschluss zum Kernenergieausstieg nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima jährte sich am 15.03.2016 zum fünften Mal. Seitdem hat sich die deutsche Energiewirtschaft sehr stark verändert. Der Kernenergieausstieg war hierbei nur eine von vielen wichtigen Veränderungen.

Atomausstieg (http://ais.badische-zeitung.de/piece/02/bf/91/ee/46109166.jpg)

Nachdem am 11. März 2011 durch einen Tsunami eine Kernschmelze im japanische Kernreaktor Fukushima Daiichi ausgelöst wurde, haben sich das damalige Bundeskabinett um Angela Merkel und die zuständigen Umweltminister auf eine 180-Grad-Wendung bei der Kernkraftwerkslaufzeit  geeinigt.

Nur drei Tage nach der Nuklearkatastrophe wurde ein dreimonatiges „Atom-Moratorium“, das die Abschaltung von acht deutschen Atomkraftwerken verfügte, beschlossen. Auch wenn weiterhin noch Strom in Atomkraftwerken erzeugt wird, gehen spätestens bis zum 31. Dezember 2022 auch die letzten deutschen Kernreaktoren vom Netz.

Die beschworenen Engpässe in der Versorgung oder ein Anstieg der Strompreise durch den Atomausstieg sind so aber nicht eingetreten. Dennoch hat sich die Energiebranche in Deutschland durch den Atomausstieg, aber auch durch andere Faktoren in den letzten fünf Jahren stark verändert. Vier wichtigste Folgen und Veränderungen im Überblick:

1. Jährlich wachsender Anteil von erneuerbaren Energien im Stromsektor

Während im Jahr 2011 der aus erneuerbaren Energien gedeckte Endenergieverbrauch in Deutschland bei 12 % lag, hat sich dieser Anteil bis zum Ende des Jahres 2015 auf über 30 % erhöht.

2. Strompreise an der Börse sind auf dem niedrigsten Stand seit Jahren

Die Großhandelspreise für Strom sind auf Talfahrt und markierten im Jahr 2015 ein Elf-Jahrestief. Die vermehrte Einspeisung von erneuerbaren Energien und der Fall von Commodity-Preisen hatten hierauf einen großen Einfluss.

3. Die großen Energieunternehmen straucheln und müssen sich umstrukturieren

Die größten deutschen Energieriesen mussten in den letzten Jahren erhebliche Verluste hinnehmen. Weiterhin haben sowohl RWE und Eon einen radikalen Umbau ihrer Unternehmen begonnen. Insbesondere können die oben genannten Gesellschaften aufgrund gesunkener Großhandelspreise weniger Gewinne verbuchen. Die Abspaltung der konventionellen Erzeugungssparte von den Zukunftsfelder erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb wird die Energiewirtschaft auch noch in den kommenden Jahren beschäftigen.

4. Auch ein Braunkohle-Ausstieg wird öffentlich diskutiert

Auch der Ausstieg aus dem Braunkohlebergbau und der Verstromung des CO2-intensiven Energieträgers Braunkohle wird öffentlich diskutiert. Im Zuge der COP 21 und des Paris-Vertrages ist eine Einsparung von Treibhausgasen in der Energieerzeugung ebenfalls ein wichtiger Treiber für die Diskussion zum Braunkohleausstieg in Deutschland.

Das Erdeben in dem Pazifik wirkt also weiterhin in der europäischen Energiewirtschaft nach.